Was ist die tonale Lärmkomponente

Die tonale Komponente ist eine ausgeprägte Frequenzkomponente im Schall, die Menschen oft als Pfeifen, Summen, Kreischen, Brummen, Zischen oder monotonen Ton wahrnehmen. Es geht also nicht nur darum, wie laut der Lärm ist, sondern auch um seinen Charakter.

In der Praxis kann Lärm mit tonaler Komponente auch bei niedrigerem Gesamtpegel störend sein. Typisches Beispiel ist ein Ventilator mit hörbaren Schaufeltönen, ein Kompressor mit ausgeprägter Frequenz, ein Transformator mit Brummen, eine Kühleinheit auf dem Dach oder eine Technologie, die bei bestimmten Drehzahlen einen schmalbandigen Ton erzeugt.

Die tschechische Verordnung der Regierung Nr. 272/2011 Sb. definiert Lärm mit tonalen Komponenten technisch. Vereinfacht handelt es sich um eine Situation, in der der Schalldruckpegel in einem bestimmten Dritteloktavband oder in zwei benachbarten Bändern mehr als 5 dB höher ist als die Pegel in beiden benachbarten Dritteloktavbändern. Bei niedrigen Frequenzen von 10 bis 160 Hz wird zusätzlich das Verhältnis zur Hörschwelle bewertet.

Für den Betreiber folgt daraus ein einfacher Schluss: Es reicht nicht, eine übliche Messung des Gesamtlärmpegels zu beauftragen. Besteht der Verdacht auf tonalen Charakter, muss auch das Frequenzspektrum gemessen und bewertet werden.

Warum die tonale Komponente bei Genehmigung und Beschwerden problematisch ist

Die tonale Komponente ist ein häufiger Grund für Beschwerden. Menschen beschreiben Lärm oft nicht als hohen Pegel, sondern als unangenehmes Pfeifen, Summen oder einen ständigen Ton, der vor allem abends und nachts hörbar ist. Der Betreiber kann dabei den Eindruck haben, die Anlage sei relativ leise.

Das Problem ist, dass die tschechische Gesetzgebung den tonalen Charakter direkt im Hygienegrenzwert berücksichtigt. Bei Lärm mit tonalen Komponenten wird – mit Ausnahme von Lärm aus dem Verkehr auf Straßen, Schienenwegen und aus dem Luftverkehr – eine zusätzliche Korrektur von −5 dB angewendet. Praktisch bedeutet das einen strengeren Grenzwert.

Typisches Beispiel bei einer stationären Quelle im geschützten Außenbereich von Bauwerken:

SituationÜblicher GrenzwertBei tonaler Komponente
Tag, stationäre Quelle50 dB45 dB
Nacht, stationäre Quelle40 dB35 dB

Das ist für den Betreiber ein wesentlicher Unterschied. Eine Anlage, die ohne tonale Komponente z. B. bei 47 dB tagsüber einhalten würde, kann bei nachgewiesener tonaler Komponente nicht mehr einhalten.

Praktischer Hinweis: Werden in der Umgebung des Betriebs Beschwerden über Pfeifen, Summen oder monotonen Ton behandelt, reicht es nicht, nur den Gesamtpegel LAeq nachzuweisen. Es muss geprüft werden, ob der Lärm eine tonale Komponente hat. Diese kann über das Bewertungsergebnis entscheiden.

Wo tonale Komponenten am häufigsten auftreten

Tonale Komponenten sind typisch für Anlagen mit rotierenden Teilen, Luftströmung, elektromagnetischem Brummen oder regelmäßigem Arbeitszyklus. Riskant sind vor allem Quellen, die langfristig laufen und stabile Drehzahlen haben.

In Betrieben begegnen wir ihnen vor allem bei diesen Anlagen:

LärmquelleTypisches Problem
Ventilatoren und LüftungSchaufeltöne, Pfeifen in Kanälen, Ton aus Abluft oder Ansaugung.
Kompressoren und GebläseMonotoner Ton von Motor, Getrieben oder Pulsationen.
Kühleinheiten und TrockenkühlerVentilatorlärm, ausgeprägter Ton in nächtlicher Ruhe.
WärmepumpenVentilator, Kompressor, niederfrequenter oder tonaler Charakter.
KWK-AnlagenMotor, Abgas, Ansaugung, Kühlung, tonale Komponenten in Kombination mit niedrigen Frequenzen.
TransformatorenBrummen bei Netzfrequenzen und deren Vielfachen.
Absaug- und FiltereinheitenTon vom Ventilator, Kanalresonanz, ungeeignet ausgelegte Schalldämpfer.
ProduktionstechnologienPfeifen, Kreischen, regelmäßige Zyklen, Ton von Antrieben oder Getrieben.

Bei diesen Quellen ist es sinnvoll, die tonale Komponente bereits bei Planung oder Technologieänderung zu behandeln. Nachträgliche Lösung nach einer Beschwerde ist schwieriger, weil die Anlage bereits installiert, angeschlossen und betrieblich erforderlich ist.

Tages- und Nachtbewertung: warum die Nacht am riskantesten ist

Bei stationären Quellen im geschützten Außenbereich von Bauwerken wird der Tag für die 8 aufeinanderfolgenden und aneinander anschließenden lautesten Stunden und die Nacht für die lauteste 1 Stunde bewertet. Der Nachtgrenzwert für übliche stationäre Quellen im geschützten Außenbereich von Bauwerken liegt typischerweise bei 40 dB. Bei tonaler Komponente verschärft er sich praktisch auf 35 dB.

Das ist ein sehr niedriger Wert. Betreiber unterschätzen oft Anlagen, die nachts automatisch laufen: Kühlung, Lüftung, Kompressoren, Pumpstationen, Wärmetauscherstationen, Heizhäuser, KWK-Anlagen, Ventilatoren oder Wärmepumpen. Tagsüber kann die Anlage durch Verkehr und Umgebungsbetrieb maskiert sein, nachts wird die tonale Komponente deutlich.

Für die Genehmigung einer neuen Quelle oder Betriebsänderung ist daher sinnvoll, nicht nur den Tages-, sondern auch den Nachtbetrieb zu prüfen. Läuft die Technologie nachts nicht, muss dies klar in den Betriebsbedingungen stehen. Läuft sie nachts, muss der Entwurf akustischer Maßnahmen strenger sein.

Wie die tonale Komponente gemessen und nachgewiesen wird

Die tonale Komponente lässt sich nicht zuverlässig nur durch Zuhören beurteilen. Zuhören kann Verdacht geben, für die Bewertung ist jedoch Messung mit Frequenzanalyse erforderlich. Üblicherweise wird Dritteloktavanalyse verwendet oder schmalbandige FFT-Analyse, wenn die Dritteloktavbewertung nicht eindeutig ist.

Der methodische Leitfaden des Gesundheitsministeriums (MZ) gibt an, dass vorrangig der Schalldruckpegel in Dritteloktavbändern mit Mittenfrequenz 20 Hz bis 20 kHz gemessen wird. Zur Identifikation der tonalen Komponente können Bruchoktavfilter oder schmalbandige Analyse verwendet werden. Schmalbandige Analyse ist vor allem dort sinnvoll, wo der Ton schmal, stabil ist oder im breiteren Band verloren geht.

Der Betreiber sollte damit rechnen, dass die Messung in einem Regime erfolgt, in dem die bewertete Quelle tatsächlich in Betrieb ist und die tonale Komponente zum Tragen kommt. Wird bei anderen Drehzahlen, unter anderer Last oder bei ausgeschalteter Quelle gemessen, entspricht das Ergebnis möglicherweise weder der Beschwerde noch dem realen Problem.

Was eine Lärmstudie oder ein Protokoll enthalten soll

Wird die tonale Komponente behandelt, sollten Messprotokoll oder Lärmstudie nicht nur den resultierenden Pegel LAeq enthalten. Es muss erkennbar sein, ob der tonale Charakter geprüft wurde, mit welcher Methode und bei welchem Betriebsregime.

Praktisch ist wichtig, dass der Output Beschreibung der Quelle, Betriebsregime, Messpunkt, Messdauer, meteorologische Bedingungen, Pegel LAeq, Frequenzspektrum, Bewertung der tonalen Komponente, Restlärm, Unsicherheit und Schlussfolgerung im Verhältnis zum Hygienegrenzwert enthält.

Bei einer Lärmstudie vor Realisierung ist Vorsicht geboten. Tonale Komponenten lassen sich aus Katalogdaten oft nicht zuverlässig bewerten, wenn der Lieferant kein Frequenzspektrum oder Angaben zur Schallleistung in Bändern liefert. Wird in der Studie nur die Gesamtschallleistung verwendet, wird das Risiko tonalen Charakters möglicherweise nicht richtig erfasst.

Was vor der Messung vorzubereiten ist

Vor der Messung muss klar festgelegt werden, welche Quelle geprüft werden soll. Gibt es im Areal mehrere Ventilatoren, Kühleinheiten, Kompressoren oder Abluftstellen, muss ihr Betrieb während der Messung unterscheidbar sein.

Am nützlichsten sind Lageplan, Liste der Lärmquellen, Betriebsregime, technische Datenblätter, Fotos, Informationen zu Beschwerden und Lage der nächsten geschützten Bauwerke. Bei Ventilatoren und Kühlung sind Drehzahlen, Regelung, Tages-/Nachtregime und mögliche Leistungsänderungen nach Temperatur wichtig.

Existiert eine Beschwerde, ist es sinnvoll festzustellen, wann der Lärm am meisten hörbar ist. Häufig zeigt sich, dass das Problem nur bei bestimmter Kombination von Regimen auftritt: nächtliche Kühlung, niedrige Drehzahlen mit Resonanz, gleichzeitiger Betrieb mehrerer Einheiten, bestimmte Windrichtung oder eine bestimmte Phase des Produktionszyklus.

Häufigste Fehler aus der Praxis

Ein häufiger Fehler ist die Beauftragung nur einer üblichen Lärmmessung ohne Anforderung zur Bewertung der tonalen Komponente. Das Ergebnis kann dann formal für den Gesamtpegel richtig sein, aber nicht dem tatsächlichen Problem entsprechen, das die Umgebung wahrnimmt.

Ein zweiter Fehler ist das Vertrauen auf den Kataloglärmpegel. Der Hersteller gibt oft einen Wert unter Standardbedingungen an, aber tatsächlicher Standort, Reflexionen von Fassaden, Kanäle, Abluft, Schalldämpfer, Regelung und bauliche Durchbrüche können den Lärmcharakter erheblich verändern.

Ein drittes Problem ist Messung im falschen Regime. Wird tagsüber gemessen, die Beschwerde betrifft aber die Nacht, oder läuft die Quelle nicht im Regime, in dem die tonale Komponente entsteht, lässt sich das Ergebnis nicht sicher zur Problembewertung verwenden.

Häufig ist auch ein Fehler beim Entwurf von Maßnahmen. Der Betreiber installiert allgemeine Lärmschutzverkleidung, die tonale Komponente bleibt jedoch, weil die eigentliche Ursache Kanalresonanz, Ventilator, ungeeigneter Schalldämpfer, mechanischer Defekt, Frequenzumrichter oder Körperschallübertragung ist.

Welche Maßnahmen helfen können

Bei tonalen Komponenten muss zuerst die Ursache gefunden werden. Eine allgemeine Pegelreduktion um einige dB reicht möglicherweise nicht, wenn ein ausgeprägter Ton bleibt. Maßnahmen müssen auf die konkrete Frequenz und den konkreten Entstehungsmechanismus zielen.

Bei Ventilatoren können Drehzahländerung, Laufradwechsel, richtig ausgelegter Schalldämpfer, Beseitigung von Turbulenzen, Anpassung von Abluft oder Ansaugung, elastische Lagerung und Beseitigung von Kanalresonanz helfen. Bei Kühlung und Wärmepumpen können Nachtregime, Drehzahlbegrenzung, akustische Schirme, Standortänderung oder Ersatz durch eine Einheit mit geeigneterem akustischem Spektrum helfen.

Bei Kompressoren, KWK-Anlagen und Heizhäusern sind Abgas, Ansaugung, Maschinenraumlüftung, bauliche Durchbrüche und Schwingungen oft wichtig. Bei Transformatoren kann das Problem in Standort, baulicher Trennung, Körperschallübertragung und Brummen bei spezifischen Frequenzen liegen.

In manchen Fällen ist die wirksamste Maßnahme organisatorisch: Begrenzung des Nachtbetriebs, Umschalten der Anlage in ein anderes Regime, Betrieb nur tagsüber oder Ausschluss gleichzeitigen Betriebs mehrerer Quellen. Eine solche Maßnahme muss jedoch betrieblich realistisch erfüllbar sein.

Wann Lärmstudie und wann Messung

Eine Lärmstudie ist vor Installation neuer Technologie, bei Betriebsänderung, bei Genehmigung einer Quelle oder beim Entwurf von Lärmschutzmaßnahmen sinnvoll. Besteht Verdacht auf tonale Komponente, muss mit Frequenzdaten gearbeitet werden, nicht nur mit der Gesamtschallleistung.

Messung ist bei Beschwerden, nach Installation der Anlage, bei Bauabnahme, bei Kontrolle der Regionalen Hygienestation (KHS) oder zur Überprüfung der Wirksamkeit von Maßnahmen sinnvoll. Bei bestehendem Betrieb ist Messung oft der schnellste Weg festzustellen, ob tonale Komponente tatsächlich vorhanden ist und ob sie den Hygienegrenzwert beeinflusst.

Bei neuen Anlagen empfehlen wir vom Lieferanten nicht nur den Gesamtlärmpegel, sondern auch Schallleistung in Oktav- oder Dritteloktavbändern und Information darüber zu verlangen, ob die Anlage ausgeprägte tonale Komponenten hat. Ohne diese Angaben ist die akustische Bewertung weniger sicher.

Was Sie uns zur Bewertung senden können

Senden Sie uns Lageplan, Beschreibung der Lärmquellen, technische Datenblätter, Betriebsregime, Tages- und Nachtbetrieb, Lage der nächsten Häuser oder anderer geschützter Bauwerke und eventuelle Beschwerden. Wenn Sie eine ältere Lärmstudie oder ein Messprotokoll haben, senden Sie diese ebenfalls.

Wir prüfen, ob Messung mit Frequenzanalyse, Lärmstudie, Kontrolle einer konkreten Quelle oder Entwurf einer Lärmschutzmaßnahme sinnvoll ist. Bei bestehenden Betrieben empfehlen wir zuerst, den tatsächlichen Lärmcharakter durch Messung zu prüfen. Bei neuen Technologien ist es sinnvoll, das tonale Risiko bereits aus Projekt- und Katalogunterlagen zu prüfen.

Kurze Zusammenfassung

Die tonale Lärmkomponente kann darüber entscheiden, ob der Betrieb den Hygienegrenzwert einhält. Bei üblichen stationären Quellen gilt bei Nachweis eine Korrektur von −5 dB, also praktisch ein strengerer Grenzwert. Das kann typischerweise den Unterschied zwischen Grenzwert 50 dB und 45 dB tagsüber oder zwischen 40 dB und 35 dB nachts bedeuten.

Der Betreiber sollte tonale Komponenten vor allem bei Ventilatoren, Kühlung, Kompressoren, KWK, Wärmepumpen, Transformatoren, Lüftung und Technologien mit rotierenden Teilen behandeln. Treten Beschwerden über Pfeifen, Summen oder monotonen Ton auf, muss das Frequenzspektrum gemessen werden, nicht nur der Gesamtlärmpegel.

Senden Sie uns technische Datenblätter, Arealsituation, Betriebsregime und Informationen zu Beschwerden. Wir schlagen vor, ob Messung der tonalen Komponente, Lärmstudie oder konkrete Lärmschutzmaßnahme erforderlich ist.

Sachliche Grundlage des Artikels

UnterlagePraktische Bedeutung
Gesetz Nr. 258/2000 Sb., über den Schutz der öffentlichen GesundheitGrundlegender Rechtsrahmen für den Schutz vor Lärm. Definiert Pflichten der Betreiber von Lärmquellen und geschützte Bereiche, in denen Lärm bewertet wird.
Verordnung der Regierung Nr. 272/2011 Sb.Legt Hygienegrenzwerte für Lärm, bestimmende Indikatoren, Definition von Lärm mit tonalen Komponenten und Korrektur −5 dB bei deren Auftreten fest.
§ 2 der Verordnung Nr. 272/2011 Sb.Definiert Lärm mit tonalen Komponenten nach Pegeldifferenz in Dritteloktavbändern und legt fest, dass Musik oder Gesang immer Lärm mit tonalen Komponenten ist.
§ 11 und § 12 der Verordnung Nr. 272/2011 Sb.Regeln Hygienegrenzwerte in geschützten Innenbereichen von Bauwerken, geschützten Außenbereichen von Bauwerken und im geschützten Außenbereich.
Methodischer Leitfaden des MZ zur Messung und Bewertung von Lärm in nichtberuflicher Umgebung, Bulletin des Gesundheitsministeriums der Tschechischen Republik Nr. 14/2023Präzisiert das Verfahren zur Messung und Bewertung von Lärm, einschließlich Frequenzbereich, Dritteloktavanalyse, Möglichkeit der FFT-Nutzung und Bewertung mit Unsicherheit.
ČSN ISO 1996-1 und ČSN ISO 1996-2Technische Normen zur Beschreibung, Messung und Bewertung von Umgebungslärm. Werden vor allem für Mess- und Analyseverfahren verwendet, einschließlich Frequenzanalyse.
Technische Datenblätter und akustische HerstellerdatenWichtig für die Lärmstudie. Bei Risiko tonalen Charakters ist es sinnvoll, akustische Daten in Bändern zu verlangen, nicht nur einen Gesamtlautstärkewert.
Lärmmessprotokoll mit FrequenzanalysePraktischer Nachweis, ob tonale Komponente vorhanden ist und ob der strengere Grenzwert gelten soll.

Aus diesen Unterlagen folgt, dass tonale Komponenten nicht nur subjektives Empfinden der Nachbarn sind. Es handelt sich um einen gesetzlich definierten Lärmcharakter, der die Bewertung um 5 dB verschärfen kann. Der Betreiber sollte daher bei riskanten Anlagen den Frequenzcharakter des Lärmes bereits bei Planung, Genehmigung, Bauabnahme und bei Beschwerden behandeln.